Bürgermeister nutzt Neujahrsempfang für Rückblick und Ausblick
Mag sich bei den Neujahrsempfängen in den meisten Kommunen aufgrund der Finanzlage eine Krisenstimmung bemerkbar machen, so kann Philippsburg mit einer gewissen Zuversicht auf die nächsten Jahre blicken. Von einem rekordverdächtigen 20-Millionen-Investitionsprogramm 2026 sprach Bürgermeister Stefan Martus (Uli). Trotzdem bleibt die jahrelange Null-pro-Kopf-Verschuldung bestehen. Weiterhin können alle Ausgaben mit Eigenmitteln bestritten werden.
Seit dem jüngsten Neujahrsempfang der Stadt Philippsburg vor zwei Jahren hat sich vieles getan. Eine ganze Stunde lang zählte Martus in der Jugendstilfesthalle vor knapp 400 Zuhörern über 100 Einzelprojekte auf, die konkret geplant sind, vor der Verwirklichung stehen oder zu den kürzlich abgehakten Fertigstellungen zählen.
Wie andernorts, so verursachen in Philippsburg die politischen Probleme im Land gewisse Sorgfalten, dazu die Kriege und ihre weltweiten Auswirkungen, besonders die verschärfte Finanzlage nahezu aller Kommunen. Auch vor Ort bestehen Kümmernisse, etwa die Lagerung von Castoren mit hochradioaktivem Müll, die endlose Suche nach einem Endlager, die geplante zerschneidende Gütertrasse.
Weitere Herausforderungen sind etwa die behördliche „Uneinsichtigkeit“ beim Hochwasser-Rückhalteraum Elisabethenwört, die Sicherung des Energiestandortes, der angestrebte Energiepark mit 2.000 Megawatt – dank Konverter und Batteriespeicher -, die Weiternutzung des ehemaligen Goodyear-Areals als Industriepark. Eine Verbesserung der Lage stellte der Bürgermeister bei der Unterbringung von Flüchtlingen fest. Derzeit seien es von ursprünglich 500 nur noch 210. Neue Aufnahmen kommen 2026 nicht.
Wie mitunter die Kosten explodieren und die Stadt an die Grenzen ihrer finanziellen Spielräume kommt, machte er im Bereich der Betreuung und Bildung deutlich. Der städtische Anteil klettere inzwischen auf fast 7,8 Millionen Euro. Zu den Top-Investitionen 2026 gehören der Neubau der achtgruppigen Kita Erlenwiesen mit 13 Millionen Euro und die Sanierung des Hauses „Reginesheim“ mit vier Millionen.
Zweimal wurde seine Rede von Beifall unterbrochen. So als er ankündigte, dass die von der Stadt 2021 gekaufte, aber immer noch bewohnte historische (und zu einer Müllsammelstelle verkommene) „Engelsmühle“ laut Gerichtsvergleich zum 31. Juli 2026 geräumt werde. Applaus gab es auch zur Aussage, dass sich das Radverkehrskonzept in der Umsetzung befinde.
Einen „Dreiklang von Zusammenhalt, Demut und Dankbarkeit“ wünschte sich Martus gegen Ende seiner einstündigen Rede für die und in der „wunderschönen Stadt“. Die Premiere mit dem neuen Dirigenten des aufwärtsstrebenden Chors „Rheinklang“ begeisterte unüberhörbar das Publikum. Erstmals mit dem Neujahrsempfang zusammengelegt war die Ehrung von erfolgreichen 24 Sportlern und 13 Züchtern: alles deutsche Meister, Europa- oder gar Weltmeister.
(Werner Schmidhuber)