Gravierende überörtliche Konflikte befürchtet
Gemeinderat erhebt Einwendungen gegen Bahn-Vorzugsvariante R4
Die Stadt Philippsburg erhebt eine Reihe von Einwendungen gegen die Bahn-Vorzugsvariante R4. Wichtig ist dem Gemeinderat, der sich in der jüngsten Sitzung erneut mit dem Bahnprojekt NBS/ABS Mannheim–Karlsruhe befasst hat, die Vermeidung von etlichen befürchteten Nachteilen. Eine wichtige Rolle spielen die möglichen Lärm- und Erschütterungen für Huttenheim.
Auch müssen weitere negative Einflüsse, etwa auf die Trinkwasserversorgung, die Naturräume und den Energie- und Infrastrukturknotenpunkt, zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Die Stellungnahme Philippsburgs sei „auch ein Akt der Solidarität“ gegenüber den anderen Kommunen, die noch stärker betroffen sind, hieß es in der Ratsrunde, die sich einmütig hinter den Beschlussvorschlag und die detaillierte Ausarbeitung von Amtsleiterin Katja Hauer stellte.
Die derzeitige Raumverträglichkeitsprüfung sieht eine Beteiligung öffentlicher Stellen und anerkannter Naturschutzvereinigungen vor. Dazu gehört die Stadt Philippsburg, die ihre Einwände definiert. Durch die Entscheidung für die Vorzugsvariante R4 werden für Philippsburg mit den Ortsteilen Huttenheim und Rheinsheim zwar extreme Raumkonflikte direkt in den Wohn- und Schutzgebieten vermieden. Sie führt zu keinen direkten Zerschneidungen, erzeugt aber durch den minimalen Abstand zur östlichen Gemarkungsgrenze im Bereich Waghäusel-Wiesental, Abzweig Molzau, „gravierende überörtliche Konflikte“.
Huttenheim liegt nur 1,5 Kilometer und in akustischer Reichweite zur geplanten Trasse, die primär als Hochleistungsstrecke für den nächtlichen Güterverkehr konzipiert ist. Zusammen mit der bestehenden B35 und den bereits vorhandenen Schienentrassen droht dem Stadtteil eine unzumutbare Schall- und Erschütterungsbelastung.
Philippsburg fordert die raumordnerische Festlegung, dass für den Nahbereich von Huttenheim „Höchststandards beim Lärmschutz über das gesetzliche Mindestmaß hinaus“ zwingend umzusetzen sind. Der Abschnitt im Bereich Waghäusel/Philippsburg sei so tief wie technisch möglich zu legen und mit wirksamen Erdwällen zu versehen.
Unabdingbar sind vorausschauende Sicherheitskonzepte zum Schutz des Grundwassers und der Sicherung der Trinkwasserreserven. Explizit wird auf sensible Naturräume, Waldgebiete und landwirtschaftliche Vorrangflächen hingewiesen. Die Entwässerungssituation dürfe sich nicht verschlechtern. Retentionsräume und der lokale Grundwasserspiegel im Grenzgebiet zu Waghäusel müssen dauerhaft stabil gehalten werden.
Weiteres Problem, das sich auftut: Die Vorzugsvariante R4 rückt dicht an den im weiteren Ausbau befindlichen Energie- und Infrastrukturknoten heran. Philippsburg befürchtet negative Wechselwirkungen mit den bestehenden und geplanten Höchstspannungsleitungen und Energietrassen. Auch sieht der Gemeinderat mögliche Nachteile für den Personennahverkehr, der regelrecht abgehängt werden könnte.
W. Schmidhuber