In der neuen Kita fehlen die Kinder

Stadt findet keinen Betriebsträger für die Einrichtung

Baustelle am neuen Kindergarten

Ein fast fertiggestellter achtgruppiger Kindergarten für gut zehn Millionen, aber nur Kinder für zwei Gruppen. Und ein Betriebsträger ist immer noch nicht gefunden. Mit dieser etwas misslichen Konstellation hat sich der Gemeinderat von Philippsburg in seiner jüngsten Sitzung befassen müssen.

Ein Ausweg ließ sich auch im Gremium auf die Schnelle nicht finden. So fassten Bürgermeister und Fraktionen notgedrungen den Beschluss, das Vergabeverfahren aufzuheben, „da kein Angebot vorliegt und somit keine Zuschlagserteilung erfolgen kann“, wie die Begründung lautete.

Nicht ganz einfach verlief die Vorgeschichte: Nach zwei vorbereitenden Gemeinderatssitzungen und mehrfachen Abstimmungen zwischen der Stadtverwaltung und dem Verfahrensbetreuer, der KommunalKonzeptBW aus Freiburg, erfolgte im Januar 2026 der Beschluss zur Durchführung des EU-weiten Vergabeverfahrens. Es ging dabei um die Suche nach einem Betreiber für die neue Kindertagesstätte Erlenwiesen.

Ausgeschrieben wurde, und zwar auf der Basis der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorgelegten Bedarfszahlen, der Betrieb einer achtgruppigen Kindertagesstätte mit unterschiedlichen Angebotsformen. Vor dem Hintergrund der angestrebten Eröffnung im vierten Quartal 2026 sollten zunächst vier Gruppen angeboten werden. Die weitere Aufstockung auf die insgesamt geplanten acht Gruppen würden sodann sukzessive erfolgen.

Weil aber die Voraussetzungen nicht mehr stimmten und letztlich nur noch zwei von acht Gruppen übrigblieben, nahmen alle sechs ursprünglichen Bieter Abstand. Analog zur Entwicklung in Baden-Württemberg, wie es in der Sitzungsvorlage hieß, habe sich auch in Philippsburg der Bedarf an Betreuungsplätzen reduziert, so dass nur noch zwei neue Gruppen erforderlich seien, um den aktuellen Bedarf zu decken. „Über die Erforderlichkeit und den Zeithorizont einer sukzessiven Aufstockung auf acht Gruppen können derzeit keine validen Aussagen getroffen werden“, bekamen nunmehr die Stadträte mitgeteilt.

Das Vergabeverfahren blieb somit ergebnislos, da kein annehmbares und zuschlagfähiges Angebot vorliegt. Im vierten Quartal 2026 sollen die zwei neuen Kita-Gruppen starten. Die Verwaltung will versuchen, den Betrieb der zwei Bedarfsgruppen im neuen Kita-Gebäude kurzfristig über einen der bereits vor Ort tätigen Träger führen zu lassen.

Bestätigt sah sich die CDU, so Fraktionschef Hans Gerd Coenen, die seinerzeit die angenommenen Belegungszahlen und die Form der Trägerschaft kritisch sahen – und dem Projekt nicht zustimmten. „Jetzt haben wir einen Kindergarten ohne Kinder.“ Darüber, dass die Planungszahlen der Verwaltung sich so rasant verändert haben, wunderte sich Jasmine Kirschner (LDP). Dem Beschlussvorschlag von Bürgermeister Stefan Martus (Uli) stimmten Peter Steinel (Uli), Christopher Moll (FW) und Markus Weber (AfD) zu, so dass ein einmütiges Votum zustande kam.

 

W. Schmidhuber

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