Geschichtliches, Gespenstisches und Gastronomisches / „Kunst- und Museumsnacht“ ermöglichte Stadtbummel im Dunkeln

Die Philippsburger „Kunst-, Museums- und Genussnacht“ kommt bestens an. 2026 waren weitaus mehr Einheimische und Auswärtige auf den Beinen als in den Vorjahren, darunter etliche Halloween-Fans. Wer die inzwischen 19. „Nacht der Nächte“ erleben wollte, konnte auf gut 50 verschiedene Angebote zurückgreifen. Bei trockenem Halloween-Wetter machten sich Scharen auf den Weg, um an der angekündigten „Erlebnisvielfalt in der Stadtmitte“ teilzuhaben. Sechs Stunden lang ließen Jung und Alt die Dunkelheit zu einem belebten Tag werden.

In der Festungsstadt mit reichhaltiger Vergangenheit rückte Historisches in den Vordergrund. So öffnete das Waffen- und Wehrgeschichtliche Museum seine Türen. Auch das Bierkulturgut im alten fürstbischöflichen Haus, der Heimatverein, der Förderverein Festungskasematten und das Rathaus mit dem Vorzeige-Festungsmodell luden zu sich ein.

Wer eher auf leibliche Wohltaten Wert legte, konzentrierte sich auf die 20 regionale Spezialitäten und internationale Köstlichkeiten: von Langos über Gyros und Chili con Carne bis zu Bergkäsespätzle, Schupfnudeln und Linseneintopf. Aus der Partnerstadt Ile de Re stammte der begehrte Pinot. Kreativ mit der Bewirtung zeigte sich das „Kreativteam.“ Viel Zuspruch fanden das Fachgeschäft Michael Raible, die „Leselust“ und der große weihnachtliche Verkaufsstand von Familie Thomas Gerner.

Seit 2008 zeigt sich die Stadt von ihrer leuchtenden und glitzernden Seite und macht es damit Großstädten wie Koblenz, Mainz und Basel nach. Der Abend gewährte insbesondere einen Einblick in das kulturelle Leben und hielt viel Wissenswertes aus der über 1.200jährigen Stadtgeschichte bereit. So bekam jeder, der sich dafür interessierte, weitgespannte Erläuterungen vom Heimatkundler Lino Geißler zum nachgebauten Festungsmodell von 1697.

Wer wollte, konnte eine Menge Informationen über die noch vorhandenen Kasematten der bekommen. Die unterirdischen Gewölbe stammen aus der Zeit des früheren 1623 ausgebauten Bollwerks. Im Heimatmuseum durften die „Nachtschwärmer“ auch erfahren, wie sich der Alltag der Philippsburger ab den 50er Jahren darstellte. Dazu führte der Heimatverein alte Heimatfilme vor.

Offen stand das Museum mit einer Sonderausstellung zur Rückeroberung der französisch besetzten Festung 1676. In der Festhalle organisierten die „Cherbourger Jungs“ eine Halloween-Party. Zu den Akteuren gehörten die „Festungshexen“ auf dem Ile-de-Re-Platz. Internationales Flair vermittelte die Cafebar „Santo Domingo“ unter Einbeziehung von Musiker Joe Fischer. Mit einer Geschäftseröffnung wartete der Klavierdienst „Servus Piano“ auf. Konzertpianistin Tatjana Worm Sawisskaya begeisterte ihr Publikum.
Zum Auftakt gab es im „Arthaus“ eine Vernissage des Künstlers Rolf Ohnemus, der dort 80 Bilder präsentiert. Mit sehr einfachen Zeichnungen weist er auf die Bedeutungsebene von Worten und Redewendungen hin.

(W. Schmidhuber)

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