Philippsburg mit Wärmeversorgungssystem der Zukunft

Hackschnitzelanlage mit Wärmepumpe für Schulzentrum vorgesehen

Campus Philippsburg

Wieder einmal zeigt sich Philippsburg, die sich „die Energiestadt“ nennt, für neue Energieformen und deren rasche Umsetzung aufgeschlossen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es um das Schulzentrum „Campus“ und dabei um die Erneuerung der zentralen Heizanlage. Johann Soder vom gleichnamigen Ingenieurbüro stellte die von ihm entwickelte Machbarkeitsstudie über die Errichtung einer Holzhackschnitzelanlage mitsamt WWW-Booster vor. Das Kürzel steht für Warmwasser-Wärmepumpe (WWWP), die als „Verstärker“ (Booster) in ein bestehendes Heizsystem eingebunden wird. So sehr beeindruckte seine fachmännische Vision, dass der Gemeinderat einmütig die Verwaltung beauftragte, die Machbarkeitsstudie konsequent weiter zu verfolgen.

Die derzeitige Heizungsanlage auf dem Campus versorgt die Hieronymus-Nopp-Schule, die Realschule mit der Bibliothek, die Myra-Förderschule, das Gymnasium und die Sport- und Schwimmhalle. Dazu tragen Nahwärmeleitungen mit Heizwärme bei, die durch zwei Heizkessel aus dem Baujahr 1992 mit zwei sechs Jahre alten Gasbrennern erzeugt wird. Zusätzlich wurde 2006 ein Gas-Blockheizkraftwerk (BHKW) installiert, das Wärme und Strom lieferte. Das BHKW ist seit April 2026 irreparabel defekt. An einem Heizkessel mussten auf Grund von Durchrostungen einige Heizglieder ersetzt werden. Es wird dringend empfohlen, diese beiden Gas-Heizanlagen auszutauschen, hieß es in der Verwaltungsvorlage.

Laut Soder sollten diese durch eine Holzhackschnitzelanlage in Verbindung mit einer Wärmepumpe ersetzt werden. Genügend Holz aus dem Stadtwald sei ja vorhanden. Die thermische Wärme-Grundlast könnte vom neu zu errichtenden Rechenzentrum in Philippsburg zur Verfügung gestellt werden. Wie es hieß, diene die Machbarkeitsstudie zur Bewertung und Entwicklung eines innovativen, umweltfreundlichen, wirtschaftlichen und emissionsarmen Nahwärmeversorgungskonzept für den Schulcampus. Soders abschließende Empfehlung: Hackschnitzelanlage mit WWWP-Booster.

Für das Nahwärmenetz werden als Erzeuger zwei 850-kW-Hackschnitzelkessel und dazu eine 500-kW-Wasser-Wärmepumpe vorgeschlagen. Die Investitionssumme liegt voraussichtlich bei über 5,2 Millionen Euro. Sollte es Fördermittel geben, bei 3,7 Millionen.

Als Vorteile nannte Soder die Rolle der Biomasse als wirtschaftliches Führungssystem. Die Hackschnitzelanlage decke Grundlast, Mittellast und den Großteil der Spitzenlast zuverlässig und kostengünstig ab. Nur für Spitzenlasten ist der WWWP-Booster gedacht. Die Wärmepumpe wird ausschließlich kaskadiert in Hochlastphasen zugeschaltet. Dadurch kommen ein geringer Stromanteil und eine hohe Wirtschaftlichkeit zustande.

Mit der Förderung und mit eigenem Brennstoff ergeben sich niedrige Wärmegestehungskosten und eine kurze dynamische Amortisationszeit, urteilte Soder. Sein Konzept stehe für robust, flexibel, regional und langfristig wirtschaftlich.

(W. Schmidhuber)

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